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Was für ein Jahr. Und auch wenn es jetzt bald vorbei ist, es werden sich nicht gleich alle Herausforderungen an Silvester in Rauch auflösen. Während Tech-Giganten Milliardengewinne wie noch nie einfahren und auf der anderen Seite Millionen Menschen von Hunger bedroht sind, sind wir irgendwo dazwischen und sollten einfach mal dankbar sein, für das was wir haben oder eben auch nicht. Aber dazu gibt es anderswo im Internet sicher treffendere Rückblicke zu lesen.


Nun… was so im Collieversum passiert ist? So einiges, wie ihr gleich lesen werdet.


«Step i Dance i mine Clarks…” – das Collie Herb-Release-Jahr startete im März just zum Lockdown mit diesem Afrobeats-Tune über meine Lieblingsschuhe, wobei natürlich auch etwas gesunde Selbstironie nicht fehlen durfte wie in der Line «ächts Läder doch wot immer no ke Fleisch ässe – so real i chönnt au Fakes träge». Der Song reihte sich vom Stil her nahtlos an die Lingo EP, welche zu dem Zeitpunkt noch nicht mal ein halbes Jahr alt war. Ich war also schon mal on fire und das noch vor dem Album-Release.


Dann eben der Lockdown. Konzerte weg und plötzlich überall und inflationär diese «Live-Streams», die jede:r mal ausprobieren wollte. Auch wir machten ein solches «Konzert» mit der ganzen Band, ausserdem produzierte ich Videos mit der Loopstation auf meinem Balkon für die Plattform «Sofakultur», ein paar davon gibt es hier zu sehen. Zusammen mit Boss-Producer Weedy G machte ich in einer 24h-Aktion den Tune «Aight», der richtig fett herauskam und die Betriebstemperatur nochmals erhöhen konnte. Und dann kam «Trolle wie dr Trump». Ich hatte Zeit und war gerade inspiriert. Der Song ist immer noch so akkurat, hört selber… Der müsste in einer gerechten Welt eigentlich auf Heavy Rotation im Radio laufen ;). Andererseits - wer hört noch Radio? Und das nicht mal zynisch gemeint.


Sommeranfang, keine Konzerte in Sicht, aber das Album in der Pipeline. Also sagte ich mir «let’s do it», und releaste einfach mal den easy Reggae-Song «Vitamin D» mitsamt animiertem Video Clip ins Leere hinaus. Und dann plötzlich ein Anruf von Lex Killa: Wir können spontan ein Konzert machen im Coq d’Or Olten, beschränkt auf 100 Besucher:innen. Gesagt, getan; auf der Bühne: La Nefera, Jo Elle, City Nord, Junia Bardo und mich. Alle Artists lieferten richtig. richtig fett ab. Ich durfte als Letzter spielen und begann mit «Trolle wie dr Trump». 2 Tage vorher hatte die Migros die Schokogebäcke mit dem dummen Namen aus den Regalen genommen, ich änderte meine Strophen des Songs sang darüber. Forward nuff. Wenn man Reggae macht und liebt, sollte man dazu auch eine Meinung haben und diese vertreten, finde ich. Und dazu ist die Bühne da. Das Konzert und der ganze Abend waren crazy und die Vibes so fett, dass wir gleich die Plattentaufe planten – nicht nur für einen, sondern gleich zwei Tage…


Zuerst kam dann aber noch das Album selber: «Collieversum», mein dritter Longplayer, 10 Tracks stark und zum ersten Mal auch als wunderschöne 180g-Vinyl erhältlich! Davon gibt es hier im Shop noch ein paar, plus ein paar CDs und natürlich lässt es sich auch wunderbar streamen. Dann kamen die Charts raus und siehe da: wir waren mit «Collieversum» auf Platz 5 der Schweizer Album-Hitparade eingestiegen! Wer hätte das je gedacht?


Dann der Downer: Auflagen usw. wurden immer komplexer, und ehrlich gesagt hatte niemand von uns Lust auf ein Konzert im Sitzen mit Maske und Abstand und was plötzlich alles noch dazugehören sollte. Solche Massnahmen können andere Künstler:innen besser umsetzten, aber das Tanzen und die Ausgelassenheit sind elementare Bestandteile einer Collie Herb & The Mighty Roots-Show, ausserdem sind bei uns an den Konzerten auch Menschen willkommen, welche sich nicht registrieren können oder wollen. Und da dies so nicht möglich war, mussten wir alles absagen, Plattentaufe und Tour. Ob und wann wir es nachholen können steht auf einem anderen Blatt.


Doch der Trip ins Collieversum ging weiter: Meine Breddas DJ Flink, Weedy G und Loopsided produzierten fette Remixe von ausgewählten Songs aus dem Album, und der nächste – von long time-Brudi Max RubaDub – steckt in der Pipeline und erscheint am 1. Januar 2021.


Ich möchte mich an dieser Stelle bei euch allen für den Support in diesem unglaublichen Jahr bedanken. Jede:r der sich eine Vinyl, eine CD oder ein Ticket geholt hat, allen Musiker:innen, allen die am Album und sonstigen Projekten mitgearbeitet haben - ohne euch kein Collie!


2021 wird besser und wir sehen uns hoffentlich mal wieder in live. Seid bitte nicht zu streng mit euch selbst und andern. Jede:r hat seinen Struggle zu struggeln.